Mit Badelatschen über frostigen Boden

Hauptversammlung der JUNGEN FREIEN WÄHLER: Gabi Mirlach berichtete von den Flüchtlingen - Vorstandschaft wird bei Neuwahlen im Amt bestätigt

Gabi Mirlach (Mitte) vom Helferkreis Asyl berichtete den Jungen Freien Wählern (v.l.) Julia Thiel, Bettina Schwarz, Wolfgang Landes, Manuela Bonardi, Bernhard Huber und Franziska Sixt von den neuen Mitbewohnern in der Rottenburger Flüchtlingsunterkunft.
15.10.2015 – 

Rottenburg. Im Rahmen der Hauptversammlung der Jungen Freien Wähler Stadt und Landkreis Landshut am Mittwoch im Gasthof Fostner hat Gabi Mirlach vom Helferkreis Asyl über die Flüchtlinge, die seit kurzem in der Seiderer Straße leben, berichtet. 30 Syrer sind dort derzeit untergebracht, darunter auch eine Familie mit drei Kindern. Außerdem wurde die Vorstandschaft um Vorsitzende Bettina Schwarz im Amt bestätigt.

„Weltweit sind rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht, die meisten sind in den Nachbarländern“, begann Gabi Mirlach. Ein kleiner Teil schaffe es nach Europa, viele davon wollen wiederum nach Deutschland. Mirlach war der Meinung, dass man darauf stolz sein könne, von den anderen Ländern so viel Wertschätzung entgegengebracht zu bekommen. Gleichzeitig betonte die pensionierte Lehrerin, die Ängste der Bevölkerung zu kennen und keine „Sozialromantikerin“ zu sein. Die Krisen in der Welt seien allerdings kein regionales Problem mehr, sondern ein globales. „Daher habe ich mich gefragt, was wir vor Ort für die Flüchtlinge tun können“, sagte Mirlach.

Gleich bei der Ankunft der neuen Flüchtlinge vor etwa zwei Wochen lag dem Helferkreis viel daran, die neuen Mitbürger möglichst schnell mit den deutschen Sitten, Regeln und Gebräuchen vertraut zu machen. Müde und erschöpft seien die Asylbewerber angekommen, aber auch ängstlich. „Beide Seiten haben Angst“, wusste Gabi Mirlach. Daher möchte der Helferkreis einen Begegnungsabend mit der Bevölkerung veranstalten. Derweil hapert es jedoch noch etwas an der Sprache, nur wenige sprechen Englisch. Dafür gehen die Syrer in die Volkshochschule zum Deutschunterricht. Die Flüchtlinge bringen unterschiedliche Bildungsabschlüsse mit: teilweise haben sie einen Hochschulabschluss, andere kennen nur arabische Buchstaben oder sind Analphabeten. „Aber alle wollen unbedingt Deutsch lernen“, versicherte Mirlach. Die drei Kinder unterrichtet sie selbst.

Täglich ergeben sich neue Herausforderungen, insbesondere im Winter. „Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt laufen die Syrer mit Badeschlappen oder T-Shirt rum“, erzählte Gabi Mirlach. „Wenn ich sie dann darauf anspreche, sagen sie, dass sie keine wärmere Kleidung haben.“ Daher benötigen die Flüchtlinge Winterkleidung, von warmen Schuhen über den Pulli bis zum Anorak. Wenn die Bevölkerung aber Kleidung abzugeben hat, sollen sie diese nicht einfach herschenken, mahnt Mirlach. „Die Flüchtlinge dürfen ruhig wissen, dass man dafür hierzulande etwas Geld bezahlen muss.“

Einigen Mitgliedern des Helferkreises erzählen die Syrer auch von ihrem Leben im Kriegsland. „Das Leben in Damaskus ist ein Kampf ums überleben“, sagte einer. Ein anderer kämpfte an vorderster Front von Assads Truppen: „Entweder du tötest oder du stirbst.“ Die Flucht nach Deutschland war ein beschwerlicher Weg, doch in ihrer neuen Unterkunft in Rottenburg fühlten sie sich das erste Mal in ihrem Leben sicher, konnten das erste Mal seit langem eine Nacht durchschlafen. Doch ganz sorgenfrei sind die meist jungen Männer nicht. „Die Syrer haben ihre Familie zurücklassen müssen, manche konnten ihre Angehörigen immerhin noch in die Türkei bringen“, erzählte Gabi Mirlach. Noch haben die Flüchtlinge kein Internet in ihrer Unterkunft, um mit ihren Familien in Kontakt zu treten.

Nachdem die Fragen der Zuhörer beantwortet waren, bedankte sich Kreisvorsitzende Bettina Schwarz bei Gabi Mirlach für ihre beeindruckenden Ausführungen und dafür, dass sie spontan für die kurzfristig entschuldigte Ulrike Hüttl eingesprungen war. Ein besonderer Dank galt Mirlach und dem gesamten Helferkreis Asyl für das große Engagement, das die Ehrenamtlichen entgegenbringen. „Wenn es Menschen wie Sie nicht gäbe, wäre in Deutschland schon längst Chaos ausgebrochen“, sagte Bettina Schwarz.

Nach dem Bericht der Vorsitzenden, dem Kassenbericht durch Manuela Bonardi und der Entlastung der Vorstandschaft standen Neuwahlen unter der Leitung der Rottenburger Stadträtin Rosa Lummer auf der Tagesordnung. Bettina Schwarz (Buch am Erlbach) wurde erneut für zwei Jahre zur Vorsitzenden gewählt. Künftig stehen ihr zwei Stellvertreter zur Seite: Sebastian Haider (Vilsbiburg) bleibt im Amt, Franziska Sixt (Rottenburg) wurde neu gewählt. Kassierin bleibt Manuela Bonardi (Ergolding), ebenso wurde Schriftführer Benjamin Landes (Wörth) im Amt bestätigt. Der bisherige Kassenprüfer Wolfgang Landes (Rottenburg) wird in Zukunft von Julia Thiel (Pfeffenhausen) unterstützt.